Die Finanzwelt erlebt eine beispiellose digitale Transformation. In Österreich und Deutschland hat sich der Fokus auf die Digitalisierung im Rechnungswesen und Bankwesen stark intensiviert. Diese Entwicklung bietet sowohl Fortschritte in der Effizienz und Kundenbetreuung als auch Herausforderungen in der Umsetzung neuer Technologien und Compliance-Anforderungen. Diese Untersuchung beleuchtet die Schlüsselelemente dieser Transformation, einschließlich der fortschrittlichen Anwendungen von Künstlicher Intelligenz (KI), der zunehmenden Bedeutung digitaler Kundenakten und der komplexen Herausforderungen im Bereich „Know Your Customer“ (KYC).

Die jüngste Studie „Digitalisierung im Rechnungswesen“ der KPMG Advisory GmbH© offenbart signifikante Fortschritte in der österreichischen Buchhaltungslandschaft. Im Jahr 2023 standen drei zentrale Digitalisierungsziele im Vordergrund: Standardisierung von Workflows, Einführung papierloser Buchhaltung und die Abschaffung veralteter Systeme. Bemerkenswert ist der Anstieg in der Standardisierung von Workflows, wobei 17% der Unternehmen diese bereits vollständig und 51% in Teilbereichen umgesetzt haben. Ähnliche Fortschritte zeigen sich in der papierlosen Buchhaltung, mit 29% vollständiger und 31% teilweiser Implementierung.

Eine weitere signifikante Entwicklung ist die Abkehr von Altsystemen, wobei 27% der Unternehmen bereits vollständige und 26% teilweise Umsetzungen verzeichnen können. Seit 2018 stiegen diese Zahlen im DACH-Raum um beachtliche 25 Prozentpunkte.

Trotz dieser Fortschritte weist die Studie auf zwei große Herausforderungen hin: Die Standardisierung von Workflows und das Management der Stammdatenqualität. Letzteres ist insbesondere im Banken- und Finanzdienstleistungssektor von Bedeutung, da es sich direkt auf das Management von Kundenakten und Stammdaten auswirkt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Digitalisierung in Österreich und im gesamten DACH-Raum konsequent voranschreitet, wobei der Schwerpunkt auf grundlegenden Basisarbeiten für zukünftige Digitalisierungsschritte liegt.

 

Digitale Kundenakten in Österreich: Mindestanforderungen und Bedeutung für effiziente Geschäftsprozesse

Die digitale Verwaltung von Kundenakten ist ein zentraler Bestandteil moderner Geschäftsprozesse, insbesondere im Finanz- und Dienstleistungssektor. In Österreich sind bestimmte Mindestinhalte für die Erstellung eines Kundenakts vorgeschrieben, um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und eine effiziente Kundenbetreuung zu gewährleisten.

Bei natürlichen Personen umfasst der Kundenakt:

  • Persönliche Daten: Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Wohnsitz des Kunden.
  • Dokumentation: Eine Kopie des amtlichen Lichtbildausweises des Kunden sowie der Personen, die ihn vertreten (z.B. Eltern, Sachwalter).
  • Nachweis der Stellvertretung: Dokumente, die den Grund und Nachweis der Stellvertretung belegen.
  • Vertragsdokumente: Der Vertrag mit dem Kunden sowie Gesprächsprotokolle.
  • Optionale Informationen: Beruf, Staatsbürgerschaft, Geburtsland, Herkunftsnachweis, Arbeitgeber und Kontaktdaten des Kunden.

Für juristische Personen oder Unternehmen beinhaltet der Kundenakt:

  • Firmendaten: Aktueller Registerauszug des Unternehmens.
  • Dokumentation: Kopien der amtlichen Lichtbildausweise der vertretungsbefugten Personen.
  • Vollmacht: Belege für die Vollmacht der vertretungsbefugten Personen, falls diese nicht in den Firmendaten ersichtlich sind.
  • Wirtschaftliche Eigentümer: Nachweise über die wirtschaftlichen Eigentümer, sofern diese nicht aus den Firmendaten hervorgehen.
  • Vertragsdokumente: Der Vertrag mit dem Unternehmen sowie Gesprächsprotokolle.
  • Optionale Informationen: Kontaktdaten, UID-Nummer, Herkunftsnachweis.

Der Kundenakt dient der effizienten Verwaltung und Analyse von Kundendaten für geschäftliche Zwecke. Für die Einhaltung der KYC (Know Your Customer)-Richtlinien werden spezifische Informationen und Anforderungen im KYC-Folder gespeichert. Dies gewährleistet eine gründliche Prüfung und Verifizierung der Kundenidentität, was sowohl für die Sicherheit des Unternehmens als auch zur Vorbeugung von Betrug und Geldwäsche von Bedeutung ist.

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KYC-Herausforderungen am Beispiel Deutschland: Hohe Kosten und Effizienzdefizite in Banken

„Know Your Customer“ (KYC) ist ein zentraler Prozess in Banken und Finanzdienstleistungen zur Verhinderung von Geldwäsche und Betrug. Dieser Prozess beinhaltet die Überprüfung von Identitäts- und Adressnachweisen der Kunden. Laut dem KYC Trend Report 2023 von Fenergo investieren deutsche Banken überdurchschnittlich viel in KYC, wobei mehr als 50% ihres Compliance-Budgets hierfür aufgewendet werden.

Die Kosten für KYC steigen stetig, bedingt durch strengere Regulierungen und die Gefahr von Strafzahlungen sowie Reputationsverlusten. Deutsche Banken geben im Durchschnitt über 2.500 Euro pro Firmenkunden für den KYC-Prozess aus. Jedoch führt eine ineffiziente Abwicklung oft zum Verlust von Kunden. Die Hauptgründe hierfür sind redundantes Datenmanagement, wiederholte Datenanfragen und eine mangelhafte digitale Journey. Viele Firmenkunden beklagen sich über schlechte Customer Experience bei Banken, verursacht durch manuelle und fragmentierte KYC-Prozesse.

Ein weiteres Problem ist der hohe Zeitaufwand: Mehr als ein Viertel der deutschen Banken benötigt 121 bis 150 Tage für eine mittlere Risikoprüfung, im Vergleich zum globalen Mittelwert von 95 Tagen. Einige Institute brauchen sogar bis zu 180 Tage. Trotz des Einsatzes von 1.800 bis 3.000 Vollzeitbeschäftigten pro Finanzinstitut liegen deutsche Banken im globalen Vergleich (durchschnittlich 1.500 Mitarbeiter) zurück.
Dies verdeutlicht das immense Potenzial, durch Prozessautomatisierung nicht nur Kosten, sondern auch Personalkosten zu reduzieren und die Effizienz zu steigern.

Zusammenarbeit Mensch und Künstliche Intelligenz

KI im Bankwesen: Revolutionierung von Risikomanagement, Betrugsprävention und Kundenservice

Im Bankwesen spielt künstliche Intelligenz (KI) eine entscheidende Rolle, indem sie geschäftskritische Prozesse wie Risikomanagement und Betrugsprävention automatisiert und gleichzeitig neue Möglichkeiten wie Chatbots und intelligente Empfehlungssysteme für Retailbanken erschließt.
Bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität sind Banken an komplexe nationale und internationale Gesetze gebunden. Traditionelle Methoden zur Einhaltung von Anti-Geldwäsche-Vorschriften (AML) haben sich als kostspielig und oft ineffektiv erwiesen. Veraltete Hardware und die Notwendigkeit von Echtzeitanalysen für schnellere Transaktionen und Online-Dienste sind weitere Herausforderungen. KI bietet hier eine Lösung, indem sie die Effizienz durch Echtzeitanalysen steigert. Ein Beispiel ist PayPal, das betrügerische Transaktionen effektiver erkennt und dabei Hardwarekosten deutlich reduziert.

In der vernetzten Branche trägt KI zur Modernisierung traditioneller Prozesse bei und schafft durch neue Dienste und Funktionen ein verbessertes Kundenerlebnis. Im Privatkundengeschäft ermöglichen fortschrittliche Technologien personalisierte Bankdienstleistungen. In Bankfilialen helfen KI-gestützte Bildverarbeitungslösungen, die Lücke zwischen physischem und digitalem Raum zu überbrücken. Sensoren, die Blick, Körperhaltung und Gesten der Kunden verfolgen, können Wartezeiten abschätzen und Angestellte alarmieren. Diese Lösungen analysieren Verhaltensdaten aus verschiedenen Kanälen und nutzen diese Erkenntnisse, um Marketingstrategien zu individualisieren und zu optimieren.

Zusammenfassend ermöglicht KI im Bankwesen eine effizientere Betrugsprävention, verbessert das Risikomanagement und revolutioniert das Kundenerlebnis durch personalisierte Dienstleistungen und innovative Technologien.

 

KI im Finanzsektor der DACH-Region: Potenzial, Herausforderungen und sektorspezifische Unterschiede

Im Finanzsektor der DACH-Region, insbesondere bei Banken und Versicherungen, liegt der Fokus beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) vorrangig auf der Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Laut einer Studie nutzen 79% der Befragten KI, um Geschäftsprozesse zu optimieren, während 73% allgemeine Kosteneinsparungen anstreben. 50% sehen Vorteile bei der besseren Umsetzung von Compliance-Vorgaben. Innovative Anwendungen wie Chatbots und Automatisierung werden von 55% der Unternehmen genutzt, und es besteht großes Potenzial in der Risikobewertung und Entscheidungsunterstützung.

Die Herausforderungen bei der Adaption von KI sind jedoch erheblich. 69% der Unternehmen identifizieren einen Mangel an verfügbaren Daten als Hauptbarriere, gefolgt von Budgetrestriktionen (67%) und einem Mangel an Fachkompetenz (64%).

Innerhalb des Sektors zeigen sich deutliche Unterschiede: Der Einsatz von KI im Tagesgeschäft und für etablierte Prozesse hat eine geringe Priorität. Hinzu kommt ein allgemeines Verständnisproblem bezüglich komplexer KI-Modelle. Die starke Regulierung im Finanzdienstleistungssektor, in dem KI oft als Black-Box-Technologie gesehen wird, führt zu zusätzlicher Zurückhaltung. Banken und Finanzinstitute müssen ihre Prozesse und Entscheidungen gegenüber Regulierungsbehörden detailliert rechtfertigen, was die Einführung von KI erschwert.

 

Effektive Erstellung und Verwaltung Digitaler Stammdaten und Kundenakten: Ein Leitfaden für Finanzinstitutionen

Die digitale Erstellung von Stammdaten und Kundenakten ist ein grundlegender Prozess in der modernen Datenverwaltung, besonders relevant in Banken und anderen Finanzinstitutionen. Hier sind die Schlüsselschritte, um Stammdaten und Kundenakten effektiv und sicher digital zu erfassen und zu verwalten:

  • Datenerfassung: Zunächst müssen alle relevanten Informationen, die in den Stammdaten und Kundenakten enthalten sein sollen, gesammelt werden. Dies umfasst persönliche Daten wie Namen, Adressen, Geburtsdaten, IP-Adressen oder geschäftliche Informationen sowie Kontaktdaten, Interaktionen und weitere Details.
  • Eingabe in ein System: Die gesammelten Daten werden in ein geeignetes System eingetragen, idealerweise über automatisierte Schnittstellen, um Effizienz zu steigern und Fehler zu reduzieren.
  • Validierung der Daten: Nach der Eingabe ist es wichtig, die Richtigkeit und Konsistenz der Daten zu überprüfen. Dies kann durch Validierungsregeln oder Plausibilitätsprüfungen erfolgen.
  • Speicherung der Daten: Die digitalen Stammdaten und Kundenakten sollten sicher in einem Datenbank- oder Informationssystem gespeichert werden. Hierbei kommen verschiedene Datenbanktypen zum Einsatz.
  • Pflege und Aktualisierung: Es ist entscheidend, Mechanismen zu implementieren, um die Stammdaten und Kundenakten aktuell zu halten. Dies beinhaltet regelmäßige Updates bei sich ändernden Informationen.
  • Datensicherheit: Ein wesentlicher Aspekt ist der Schutz der Stammdaten und Kundenakten vor unbefugtem Zugriff. Dies erfordert geeignete Sicherheitsmaßnahmen wie Verschlüsselung und Zugriffskontrollen.
  • Auswahl einer geeigneten Plattform: Für Kundenakten sollte eine zentrale Plattform gewählt werden, die den gesamten Kundenlebenszyklus abbildet.
  • Datenstrukturierung: Organisieren Sie die Informationen übersichtlich, beispielsweise in Kategorien wie persönliche Daten, Transaktionen und Support-Anfragen.
  • Automatisierung und Zugriffsmanagement: Implementieren Sie automatisierte Prozesse und legen Sie klare Zugriffsrechte fest.
  • Team-Schulung: Schulen Sie Ihr Team in der Nutzung der Plattform und im Umgang mit Kundeninformationen.

Durch diese Schritte kann sichergestellt werden, dass Stammdaten und Kundenakten effizient, genau und sicher in einem digitalen Format erstellt und verwaltet werden.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die digitale Transformation im Finanzsektor sowohl in Österreich als auch in Deutschland tiefgreifende Veränderungen mit sich bringt. Während die Digitalisierung im Rechnungswesen zu einer Effizienzsteigerung und Kostenreduktion führt, bringt der Einsatz von KI im Bankwesen verbesserte Möglichkeiten in der Betrugsprävention und ein personalisiertes Kundenerlebnis mit sich. Allerdings stehen diese Fortschritte vor Herausforderungen wie dem Datenschutz, der Verarbeitung großer Datenmengen und der Integration in bestehende Systeme. Die Bewältigung dieser Herausforderungen wird entscheidend sein, um die Vorteile der digitalen Ära voll auszuschöpfen und einen nachhaltigen Wandel im Finanzwesen zu fördern.

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